Erneut lebenslange Haft für Ku’damm-Raser

Erneut lebenslange Haft für Kuhdamm-Raser von 2016.
Erneut lebenslange Haft für Kuhdamm-Raser von 2016. | Foto: FFH/DPA

Berliner Landgericht verurteilte Raser wegen gemeinschaftlichen Mordes

Knapp drei Jahre ist es her das sich die beiden Angeklagten in der Berliner Innenstadt mit ihren getunten Sportwagen ein Rennen lieferten. Marvin M. und Hamdi H. rasten rücksichtslos mit bis zu 170 km/h über den Kuh’damm, überfuhren dabei mehrere rote Ampeln. Plötzlich krachte eines der Fahrzeuge in den Jeep eines Unbeteiligten. Durch den heftigen Aufprall wurde das Fahrzeug des Mannes meterweit durch die Luft geschleudert.
Der 69–jährige Fahrer verstarb noch an der Unfallstelle. Die Raser trugen nur eichte Verletzungen davon. Aber ist das juristisch ein Mord?

Richter erkannten mehrere Mordmerkmale

Ja sagen die Richter am Berliner Landgericht, denn die Kammer sah es als erwiesen an das die beiden Angeklagten einen mittäterschaftlich heimtückischen Mord mit gemeingefährlichen Mitteln, aus niederen Beweggründen, begangen haben. Damit sahen die Richter sogar drei Mordmerkmale als erfüllt. Aber schon allein ein Mordmerkmal hätte zu einer Verurteilung geführt.

Raser seien selbstverliebt und rücksichtslos vorgegangen

Die heute 27 und 30 Jahre alten Angeklagten haben bei ihrem illegalen und rücksichtslosem Rennen, in ihren hochmotorisierten Sportwagen, billigend in Kauf genommen das dadurch unbeteiligte Dritte zu Schaden kommen oder gar getötet werden könnten.

„Was geschah, hatte mit Fahrlässigkeit nichts zu tun. Die Angeklagten haben aus nichtigem Anlass mit dem Leben anderer Menschen gespielt.

Die Raser seien rücksichtslos und selbstverliebt gewesen, ihre Fahrzeuge haben sie nahezu vergöttert.“

Vorsitzender Richter bei der Urteilsbegründung

Spätestens als Marvin N. auch die letzte Möglichkeit zum rechtzeitigen Abbremsen seines Sportwagens vor der roten Ampelanlage verstreichen ließ und es vorzog auf’s Gaspedal zu treten, nahm er den Tod anderer Menschen billigend in Kauf, fasste somit also Tötungsvorsatz. Bei Hamdi H. fasste der Vorsatz schon früher, da dieser laut Zeugenaussagen permanent Gas gegeben hat und beschleunigte.

Gericht folgt mit dem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft

Aus diesen Gründen verurteilte die Kammer die beiden Angeklagten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen gemeinschaftlichen Mordes und bestätigte damit noch einmal das Strafmaß der ersten Instanz.

Die Verteidiger der Angeklagten sahen keinen Tötungsvorsatz. Sie beantragten für ihre Mandanten deutlich mildere Strafen wegen fahrlässiger Tötung bzw. fahrlässiger Körperverletzung und gefährlichen Eingriff in den Strassenverkehr.

Bundesgerichtshof hob Urteil der ersten Instanz auf

Zuvor waren die Angeklagten bereits im Februar 2017 schon von einer anderen Kammer zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Gegen diese Entscheidung legten damals die Verteidiger Revision ein. Derzeit damals mit Erfolg und neuer Hoffnung auf ein milderes Urteil.

Der Bundesgerichtshof prüfte im Rahmen der Revision das vorangegangene Urteil und kam zu der Auffassung das die Urteilsbegründung von 2017 zu „dünn“ und somit nicht ausreichend war. Demzufolgte war das Urteil aufzuheben und wurde an eine andere Kammer des Berliner Landgericht, zur erneuten Verhandlung, zurückgewiesen.

BGH-Urteil des 4. Strafsenats vom 01.03.2018: – 4 StR 399/17

Neue Regelung seit Oktober 2017

Seit Oktober 2017 gibt es eine neue Regelung. Seither können Teilnehmer von illegalen Autorennen härter bestraft werden.

Wird durch ein illegales Kraftfahrzeugrennen der Tod eines anderen Menschen verursacht, können bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verhängt werden.

Paragraf 315 d Strafgesetzbuch

Es ist aber nicht möglich diesen aktuellen Fall rückwirkend nach der neuen Regelung zu beurteilen.

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